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Vorstellung: Theres Kirisits

25. September 2025

Mein Name ist Theres Kirisits. Als Gründerin von t.rau*raum bringe ich meine elfjährige Berufserfahrung im internationalen Sales, Account-Management und Business Development bei Booking.com sowie meine Tätigkeit als ausgebildete Trauerbegleiterin, Meditationslehrerin und ehrenamtliche Familienbegleiterin im Kinderhospiz zusammen. Diese interdisziplinäre Perspektive ermöglicht es mir, praxisnahe Konzepte für einen professionellen und mitfühlenden Umgang mit Trauer im Unternehmen zu entwickeln.


1. Wie zeigt sich Trauer im Alltag – und speziell am Arbeitsplatz?

Trauer erschüttert die grundlegenden Säulen unseres Lebens: Gesundheit, Beziehungen, Alltag, finanzielle Sicherheit und Sinn. Wenn eine dieser Säulen ins Wanken gerät, geraten oft alle anderen mit ins Rutschen. Ein Verlust beeinflusst deshalb nicht nur das private Umfeld, sondern auch den Beruf. Konzentration, Belastbarkeit und Motivation sinken, während das Bedürfnis nach Rückzug, Halt und Verständnis steigt. Am Arbeitsplatz zeigt sich Trauer in vielen Formen, manchmal sichtbar durch Tränen oder Erschöpfung, manchmal auch durch innere Distanz. Entscheidend ist, anzuerkennen, dass Trauer nicht an der Bürotür endet, sondern Teil des ganzen Menschen bleibt.

2. Welche Bedürfnisse haben Trauernde in dieser Zeit – und wie können Kolleg:innen und Führungskräfte unterstützen, ohne zu überfordern?

Trauernde stehen in dieser Zeit unter enormer Belastung. Dazu gehören unter anderem emotionale Instabilität, Erschöpfung, finanzielle Sorgen, Schlaflosigkeit, organisatorische Aufgaben oder Veränderungen im Familiensystem, die gleichzeitig auf sie einwirken. Es ist daher völlig natürlich, dass die gewohnte Leistungsfähigkeit nicht aufrechterhalten werden kann. Trauer braucht Zeit und Verständnis.

Was Betroffene in dieser Phase am meisten brauchen, ist ein Umfeld, das ihnen nicht aus Unsicherheit aus dem Weg geht, sondern Präsenz und Zugewandtheit zeigt. Rückzug und Schweigen verstärken nur die Isolation, während kleine Zeichen von Anteilnahme – auch noch lange nach dem Verlust – sehr viel bewirken können. Besonders wertvoll ist es, wenn Führungskräfte und Teams an Feiertagen, Geburtstagen oder Todestagen besonders achtsam sind, da diese Tage für Trauernde oft schwerer und belastender empfunden werden. Man kann dafür einen eigenen Kalender anlegen, in dem diese Termine festgehalten werden.

Kolleg:innen und Führungskräfte können unterstützen, indem sie ehrlich und authentisch ihre Anteilnahme ausdrücken, ohne zu bewerten. Wichtig ist, zuzuhören, Emotionen zu akzeptieren und Normalität im Umgang zu bewahren. Offene Fragen, verlässliche Zusagen und Geduld schaffen Vertrauen. Ebenso wertvoll ist es, stille Momente auszuhalten, denn manchmal braucht es keine Worte, sondern einfach das Gefühl, nicht allein zu sein.

3. Welche Rolle spielen Rituale, Sprache und kleine Gesten im Umgang mit Trauernden?

Wenn wir einem trauernden Menschen begegnen, verspüren wir oft den Druck, etwas besonders Tröstendes oder Kluges sagen zu müssen. Genau dieser Druck führt jedoch leicht dazu, dass wir in Floskeln oder gut gemeinte Ratschläge verfallen, die wenig hilfreich sind. Viel wichtiger ist es, ehrlich und präsent zu bleiben, Anteilnahme auszudrücken und die Bedürfnisse der trauernden Person zu respektieren.

Ungefragte Ratschläge können den Eindruck vermitteln, die trauernde Person sei nicht in der Lage, ihre Situation selbst zu bewältigen. Wenn du einen Tipp hast, frage vorher nach, ob sie ihn hören möchte. Oft reicht Zuhören mehr als jeder gut gemeinte Rat. Redewendungen und Floskeln entstehen meist aus Unsicherheit, wirken aber distanzierend und lassen das individuelle Erleben außen vor. Ehrlicher ist es zu sagen: „Mir fehlen die Worte, aber ich bin da.“ Bagatellisieren ist ebenso verletzend. Jede Person hat ihr eigenes Tempo und ihre eigene Art zu trauern. Das gilt es zu achten und nicht kleinzureden.

Neben Sprache spielen kleine Gesten eine große Rolle: eine Nachricht, ein kurzer Anruf, das bewusste Ansprechen von Gedenktagen oder einfach stilles Dasein. Solche Zeichen machen spürbar: „Du bist nicht allein.“

Auch Rituale können viel Kraft geben, weil sie Halt und Orientierung schaffen. Das kann bedeuten, den Arbeitsplatz würdevoll mit Erinnerungsstücken zu gestalten, eine Gedenkminute oder ein Erinnerungstreffen zu organisieren, eine Kerze zu entzünden oder gemeinsam auf die verstorbene Person anzustoßen. Entlastend wirkt auch eine vorübergehende Neuverteilung von Aufgaben oder ein Buddy-System, das Sicherheit und Struktur gibt.

Sprache, Gesten und Rituale wirken zusammen: Sie zeigen Trauernden, dass ihre Gefühle Raum haben dürfen – und dass sie auch in dieser schweren Zeit Teil der Gemeinschaft bleiben.

4. Was können Unternehmen tun, um eine offene und respektvolle Trauerkultur zu fördern?

Ein wichtiger erster Schritt ist, das Thema Trauer überhaupt sichtbar zu machen – zum Beispiel durch eine neutrale, außenstehende Person, die aufklärt, Fragen beantwortet und Blockaden auflöst. Entscheidend ist auch, die eigene Haltung zu hinterfragen, denn viele Menschen haben selbst noch keinen Verlust erlebt und wissen daher wenig über die Realität von Trauer.

Hilfreich ist es, das gesamte Unternehmen und seine Strukturen in den Blick zu nehmen und gemeinsam mit einer spezialisierten Fachperson einen Trauer- und Krisenplan zu entwickeln. So wird festgelegt, wer Ansprechperson in Trauerfällen ist, wie Teams informiert werden und welche unterstützenden Maßnahmen Mitarbeitenden konkret zur Verfügung stehen. Ein solcher Plan schafft Sicherheit für Führungskräfte und gibt Betroffenen das Gefühl: „Hier darf meine Trauer Platz haben.“

5. Welche Wege gibt es für Trauernde selbst, um mit Verlust umzugehen und den eigenen Arbeitsalltag wieder zu strukturieren?

Trauer ist ein sehr individueller Prozess und es gibt keinen einzigen richtigen Weg, damit umzugehen. Wichtig ist, sich selbst Zeit zu geben und nicht zu erwarten, sofort wieder die volle Leistungsfähigkeit zu haben. Hilfreich können kleine Schritte sein: den Alltag bewusst zu strukturieren, Pausen einzuplanen, Aufgaben zu priorisieren und Überforderung zu vermeiden.

Unterstützend wirken auch persönliche Rituale wie eine kurze Gedenkminute am Morgen, ein Erinnerungsstück am Arbeitsplatz oder ein Spaziergang in der Mittagspause, um innerlich zur Ruhe zu kommen. Sehr hilfreich kann zudem eine professionelle Trauerbegleitung oder die Teilnahme an Workshops sein. Dort lernen Trauernde, über ihre Gefühle zu sprechen, neue Perspektiven einzunehmen und zugleich zu akzeptieren, dass nicht immer alles umsetzbar ist, was sie sich wünschen. Auch Unternehmen haben Rahmenbedingungen, innerhalb derer entschieden werden muss, was möglich ist und was nicht.

Der wichtigste Schritt bleibt, die eigenen Gefühle ernst zu nehmen und zu akzeptieren, dass Trauer nicht linear verläuft. Es gibt Tage, an denen mehr gelingt, und Tage, an denen weniger möglich ist – beides darf sein. Mit Geduld, Selbstfürsorge und der Bereitschaft, Hilfe anzunehmen, kann sich nach und nach ein neues Gleichgewicht im Arbeitsalltag entwickeln.


Weil dieses Thema so entscheidend ist, habe ich mein gesamtes Wissen und meine Erfahrungen in einen Online-Kurs für Führungskräfte und Personalverantwortliche gebündelt. In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, wie groß die Unsicherheit im Umgang mit Trauer am Arbeitsplatz ist und gleichzeitig, wie viel Vertrauen und Stabilität entstehen können, wenn es klare Strukturen und eine verständnisvolle Haltung gibt.

Der Kurs trauer@work bietet genau das: Orientierung, Sicherheit und konkrete Handlungsmöglichkeiten für den Ernstfall. Sie lernen, wie Sie betroffene Mitarbeitende bei der Rückkehr einfühlsam begleiten, wie Sie als Führungskraft oder HR-Verantwortliche souverän reagieren können und wie sich präventiv eine offene Trauerkultur aufbauen lässt.

Mit sechs Modulen, praxisnahen Videos, einem begleitenden Workbook voller Reflexionsübungen, interaktiven Sessions und einem offiziellen Zertifikat erhalten Sie das Rüstzeug, um im richtigen Moment handlungsfähig zu sein und Ihr Team auch in schwierigen Zeiten mit Klarheit und Menschlichkeit zu führen.

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